Sage „Ja“ zur Angst – mein langer Weg zu mir selbst und meiner Berufung
Manchmal führt uns das Leben nicht auf direktem Weg dorthin, wo wir hingehören.
Mein Weg nach Mallorca war lang. Er führte mich von Wuppertal über Kassel nach Costa Rica und Südfrankreich und schließlich auf die Insel, die zu meiner Heimat wurde.
Doch die geografische Reise war nur die sichtbare Seite.
Parallel dazu gab es eine zweite Reise: den langen Weg, Seele und Körper miteinander in Einklang zu bringen.
Ich las, lernte, suchte, probierte aus und entwickelte mich weiter. Und trotzdem blieb lange dieses Gefühl:
Da fehlt noch etwas.
————————————————-
Im April 2022 hat mich Paula Elise Weske für ihren Podcast „Mein Leben – Mein Sein“ zu einem ausführlichen Interview eingeladen. Entstanden ist ein sehr persönliches Gespräch über meinen Lebensweg, Angst vor Veränderung, Trauma und Familie, meine Suche nach meiner Berufung – und darüber, was passieren kann, wenn wir irgendwann aufhören, gegen unsere eigene Geschichte zu kämpfen.
Denn Angst war auf meinem Weg nicht nur etwas, das überwunden werden musste. Sie stand erstaunlich oft genau dort, wo Veränderung begann.
Vielleicht müssen wir also gar nicht darauf warten, dass die Angst verschwindet.
Vielleicht dürfen wir lernen zu sagen:
Ja. Ich habe Angst. Und ich gehe trotzdem.
Das vollständige Interview mit Paula Elise Weske
„Sage ‚Ja‘ zur Angst.“ 👉
Du möchtest lieber lesen? Dann nehme ich Dich im Folgenden mit zu einigen der wichtigsten Stationen meines Weges. Einige Geschichten und sehr persönliche Erlebnisse erzähle ich allerdings bewusst nur im Interview.
Gibt es einen freien Willen? Oder unterliegen wir einem festen Seelenplan, der uns nur an bestimmten Stellen Mitspracherecht einräumt?
Mein Weg nach Mallorca war lang – und oft ziemlich holprig und steinig. Heute sehe ich viele dieser Stationen, gerade diejenigen, mit denen ich damals am meisten gehadert habe, aus einem anderen Blickwinkel.
Manche vermeintlichen Umwege waren vielleicht gar keine Umwege, sondern notwendige und wichtige Lernerfahrungen auf meinem – noch immer andauernden – Weg zu mir selbst.
„Ich werde niemals heiraten. Und niemals Mutter.“
Manche Entscheidungen treffen wir nicht nur mit dem Kopf. Wir treffen sie tief in uns – manchmal in Situationen, in denen sie uns schützen.
Ich hatte für mich einmal zwei sehr klare Entscheidungen getroffen:
Ich werde niemals heiraten.
Und ich werde niemals Mutter.
Und dann kam das Leben.
2010 wurde ich Mutter.
Im Interview erzähle ich sehr persönlich davon, wie es dazu kam – und was es für mich brauchte, mich ganz bewusst FÜR meine Tochter zu entscheiden, obwohl diese Entscheidung einem tiefen inneren Schwur widersprach.
Heute weiß ich, wie mächtig solche inneren Schwüre und Glaubenssätze sein können.
Doch: Was irgendwann einmal richtig und vielleicht sogar notwendig war, muss nicht zu dem Leben passen, das wir viele Jahre später führen möchten. Und hier braucht es eine Menge Mut, um mit alten Schwüren und Glaubenssätzen bewusst zu brechen.
Als die Geburt meiner Tochter meine eigene Geschichte öffnete
Mit der Geburt meiner Tochter begann gleichzeitig ein sehr tiefer persönlicher Prozess.
Um für mein eigenes Kind da sein zu können, musste ich mich noch einmal intensiv mit meiner Biografie, also meiner eigenen Kindheit, Familie und vielen traumatischen Erfahrungen der letzten drei Jahrzehnten auseinandersetzen.
Es folgte ein langer Weg der Traumaaufarbeitung. Ich hatte bereits viel gelesen, gelernt und verstanden. Doch in dieser Zeit wurde mir etwas sehr deutlich:
Es ist ein gewaltiger Unterschied, über die Heilung von Seele und Körper zu lesen – oder Veränderung am eigenen Leib zu erfahren.
Auf diesem Weg begegnete mir schließlich die systemische Familienaufstellung.
Und damit begann ein Kapitel meines Lebens, von dem ich damals noch nicht wusste, dass daraus einmal meine Berufung entstehen würde.
Meine persönlichen Erfahrungen mit Bert Hellinger
Ich nahm mehrfach an Familienaufstellungen bei Bert Hellinger teil, dessen Ansatz und Arbeitsweise bis heute kontrovers diskutiert werden.
Diese Begegnungen waren für mich prägend – und einige meiner persönlichen Erlebnisse mit ihm waren durchaus außergewöhnlich.
Welche, erzähle ich im Interview.
In dieser Zeit wurde jedenfalls etwas in mir gesehen, das ich selbst noch überhaupt nicht als berufliche Perspektive betrachtete:
mein Potenzial für die Aufstellungsarbeit.
Ich wurde – wie ich es heute augenzwinkernd ausdrücke – anfangs geradezu dazu „genötigt“, eine mehrjährige Ausbildung zur systemischen Familienaufstellerin zu beginnen.
Und ich begann selbst zu erleben, was passieren kann, wenn wir nicht nur versuchen, unsere Geschichte mit dem Verstand zu begreifen, sondern die Dynamiken unseres Familiensystems auf einer anderen Ebene betrachten.
Welchen Platz nehme ich in meiner Familie ein?
Eine Frage wurde dabei für mich immer wichtiger:
Was braucht es, um den eigenen Platz innerhalb des Familiensystems zu finden – und ihn auch bewusst einzunehmen?
Und damit verbunden:
Was bedeutet es für unsere Kinder, wenn wir Erwachsenen unseren eigenen Platz nicht einnehmen?
Aus meiner persönlichen und systemischen Sicht geht es dabei nicht um perfekte Eltern.
Es geht um Orientierung und Verantwortung.
Darum, die eigene Geschichte nicht unbewusst an die nächste Generation weiterzugeben. Und darum, als Erwachsene den eigenen Platz einzunehmen, damit Kinder Kinder sein dürfen und Sicherheit erleben können.
Für mich gehörte dazu auch, wieder Zugang zu etwas zu finden, das ich lange verloren hatte:
Urvertrauen.
Darf ausgerechnet ich andere Menschen begleiten?
Und dann kam eine Frage, mit der ich ziemlich lange gekämpft habe:
Darf ich, Miriam Völling, mit meiner unperfekten Biografie überhaupt systemische Aufstellerin und Coach werden?
Müsste ich nicht erst selbst vollkommen „aufgeräumt“ sein?
Müsste meine Vergangenheit nicht viel vorzeigehafter sein, um andere Menschen begleiten zu dürfen?
Irgendwann drehte sich die Frage um:
Wer bin ich eigentlich, diese wertvolle und wichtige Arbeit NICHT zu machen?
Meine Geschichte allein qualifiziert mich selbstverständlich nicht für meine Arbeit. Dazu gehören Ausbildungen, Erfahrungen, kontinuierliche Reflexion und die Verantwortung für die eigenen Grenzen.
Aber irgendwann verstand ich:
Meine Geschichte disqualifiziert mich auch nicht. Sie hilft mir, die Menschen die zu mir kommen, WIRKLICH zu verstehen.
Und dieser Unterschied war entscheidend.
Geld, Sicherheit – und die Frage, wann genug Sicherheit genug ist
Deshalb sprechen wir auch über Geld und finanzielle Sicherheit im Intierview.
Denn „Folge deiner Berufung“ klingt wunderbar, solange niemand fragt, wovon am Monatsende die Miete bezahlt wird.
Wie viel Sicherheit brauche ich?
Wann schützt mich Sicherheit – und wann hält das Bedürfnis nach ihr mich davon ab, etwas zu verändern?
Diese Fragen begleiteten auch meinen eigenen Weg.
Und sie führen zu einem Thema, das noch viel größer ist.
Bin ich geführt – oder entscheide ich selbst?
Ich habe mich in meinem Leben immer wieder geführt und beschützt erlebt.
Man kann das Universum nennen. Fügung. Intuition. Spiritualität. Oder bestimmten Begegnungen und Ereignissen schlicht eine persönliche Bedeutung geben.
Für mich führte diese Erfahrung irgendwann zu einer faszinierenden Frage:
Habe ich überhaupt einen freien Willen?
Wie frei sind unsere Entscheidungen, wenn gleichzeitig unsere Kindheit, Glaubenssätze, Ängste, Erfahrungen und familiären Bindungen auf uns wirken?
Und wo beginnt der Moment, in dem wir bewusst entscheiden können:
Bis hierhin – und ab jetzt anders?
Eine endgültige Antwort darauf habe ich nicht.
Aber ich glaube an die Möglichkeit, wieder Zugang zu etwas zu bekommen, das viele von uns irgendwann verloren haben:
Urvertrauen.
Für mich bedeutet das nicht, darauf zu vertrauen, dass immer nur Schönes passiert.
Es bedeutet, darauf zu vertrauen, dass selbst schwierige Erfahrungen Teil meiner persönlichen Entwicklung werden können – und dass ich jeden Tag aufs Neue entscheiden kann, was ich daraus mache.
Vielleicht braucht dein Weg keinen perfekten Plan
Wenn ich heute auf meinen eigenen Weg zurückblicke, sehe ich keine gerade Linie.
Ich sehe viele Wohnorte: Wülfrath. Wuppertal. Saarbrücken. Oberursel. Kassel. Costa Rica. Verdon in Südfrankreich. Und seit 20 Jahren Mallorca.
Ich sehe Entscheidungen, die ich später verändert habe. Ängste. Innere Schwüre. Mutterschaft. Traumaaufarbeitung. Familienaufstellungen. Zweifel. Ausbildungen. Und meine Berufung, Menschen zu unterstützen, auf dem Weg, zu sich selbst, auf dem bewussten Weg der Veränderung und Transformation.
Vielleicht besteht persönliche Entwicklung gar nicht darin, irgendwann „fertig“ zu sein.
Vielleicht besteht sie darin, immer wieder bereit zu sein hinzuschauen. Als Mensch – und auf Seelenebene – Entscheidungen zu überprüfen und vertrauensvoll den nächsten Schritt zu gehen – auch wenn wir noch nicht wissen, wohin er uns führen wird.
Und manchmal beginnt genau dieser Schritt mit einem einfachen Satz:
Ja. Ich habe Angst. Und ich gehe trotzdem.
Möchtest Du herausfinden, was Dich auf Deinem eigenen Weg noch zurückhält?
In meinen Coachings und systemischen Aufstellungen begleite ich Menschen dabei, wiederkehrende Muster, familiäre Dynamiken und innere Blockaden sichtbar zu machen und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.

