Leseprobe

Fassungslos starrte ich auf das weiße, vor mir auf dem Tisch liegende Wollknäuel. Jetzt legte es doch tatsächlich den Kopf schief und grinste mich freundlich an! Freundlich? Doch, es sah freundlich aus. Nicht das Wollknäuel, nein, aber … Ein letzter Versuch, indem ich mir kräftig mit beiden Handballen über die Augen rieb, einmal, zweimal, dreimal, das konnte doch nicht wirklich wahr sein. Vor mir, auf dem besagten Wollknäuel, stand ein kleines, blaues, nur daumengroßes Wesen. und es bewegte sich. Winkte mir in diesem Augenblick sogar zu! Es hatte eine kräftige blaue Hautfarbe, einen dichten, schwarzen Lockenkopf und trug nichts weiter als eine blauweiß-gestreifte kurze Hose. Also so was.

 „Hallo, du Wesen des blauen Planeten.“

„Bitte?“, erschrocken guckte ich mich  um, doch anscheinend hatte es gerade zum Ende des Unterrichts gegongt, denn alle anderen aus meiner Klasse waren bereits aufgesprungen und drängten nun, mit eilig gepackten Schultaschen, laut diskutierend und sich
verabredend Richtung Türe.

„Ich sagte ‚Hallo‘, wiederholte eine hell klingende Stimme in meinem Kopf. Verdutzt sah ich auf das Wesen vor mir hinab. Schnell sah ich über die Schulter, ob mich auch ja keiner der davon Eilenden beobachtete, bevor ich der beweglichen Figur versuchsweise und mit gerunzelter Stirn antwortete. „Hast du mit mir gesprochen?“

„Ja, mit wem sonst?“

Ich sah mich um. Stimmt. Alle anderen waren mittlerweile gegangen. Sogar Frau Kessler war weg.  „Wer bist du?“, fragte ich ungläubig, „und woher kommst du?“, versuchte ich in Erfahrung zu bringen. Ich war absolut davon überzeugt, dass ich vor Langeweile im Unterricht eingeschlafen war und das alles hier nur träumte.

„Man gab mir auf Trobit den Namen Lililu.“ Leise vor sich hin kichernd setzte sich das blaue Wesen im Schneidersitz vor mich hin.

„Lililu? Auf Trobit?“ Ich überlegte. „Ich bin Tinchen“, stellte ich mich vor. „Eigentlich heiße ich Christina Victoria, aber die meisten nennen mich nur Tinchen.“ Vorsichtig reichte ich Lililu zur Begrüßung meinen kleinen Finger. Sanft berührten ihre winzigen Hände meine Fingerkuppe. Ich erschauderte. Was, wenn dies gar kein Traum, sondern tatsächlich Realität war? Ich versuchte Klarheit zu gewinnen: „Lililu, ich verstehe das nicht. Ich kenne kein Trobit. Was ist das, etwa ein anderer Stern?“ Vor Schreck lief es mir eiskalt den Rücken hinunter, während mir gleichzeitig am ganzen Körper der Schweiß ausbrach. „Lililu, du bist doch kein Außerirdischer, oder?“

„Was, wenn doch?“, kam es keck zurück.